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"Skeptiker"-Organisationen: Selbstdarstellung und Rhetorik

Um glaubwürdiger zu wirken, präsentieren sich "Skeptiker"-Organisationen im Zuge ihrer öffentlichen Selbstdarstellung nach Außen hin oft als "Vertreter der Wissenschaft", "neutrale Untersucher" oder gar als "unvoreingenommen". Immer wieder fallen z.B. Journalisten auf diese Fassade herein, hinter der bei genauerem Hinsehen wenig steckt. Die über Presseerklärungen bekannt gemachten vermeintlichen "wissenschaftlichen Untersuchungen" der Gruppen entpuppen sich in aller Regel nur als inszenierte PR-Maßnahmen zur Selbstvermarktung, um auf sich aufmerksam zu machen. Bei den größeren Organisationen wie z.B. CSICOP oder der GWUP stecken dahinter auch kommerzielle Interessen, um deren Zentren unterhalten zu können, was nur durch den Verkauf diverser "Produkte" (populär gehaltene Zeitschriften, Bücher, Mitgliedschaften, T-Shirts, Kaffeetassen u.a.m.) möglich ist und einen gewissen Bekanntheitsgrad voraussetzt. Bereits eine Bezeichnung wie "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" - so der ausführliche Name der deutschen "Skeptiker"-Gruppe GWUP - muss in diesem Zusammenhang als Etikettenschwindel gewertet werden, was vielen GWUP-Mitgliedern auch bewusst ist.

Nicht nur mit dem Etikett "wissenschaftlich" wird Schindluder getrieben, sondern auch die Bezeichnung "Skeptiker" ist geeignet, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen: So argumentiert zum Beispiel der amerikanische Soziologie-Professor Marcello Truzzi, dass es unangemessen ist, Ablehner von Parawissenschaften generell als "Skeptiker" zu bezeichnen. Der Skeptiker-Begriff stehe vielmehr traditionell für eine andere Haltung, die betont um vorsichtige Urteilsenthaltung bemüht ist. In diesem Sinne besteht die real existierende (vermeintliche) "Skeptiker"-Bewegung vorwiegend aus "Pseudo-Skeptikern". Lesen Sie dazu:

Marcello Truzzi (1987): Über Pseudo-Skeptizismus

Eine die realen Verhältnisse in "Skeptiker"-Organisationen gut umschreibende Begriffsbestimmung des Wortes "Skeptiker" stammt von R. Kakuska. Sie ist in dem Lexikon "Der Esoterik-Leitfaden" zu finden und sei hier zitiert:

Skeptiker: griech.: skepsis; Betrachtung, Überlegung. In der Alltagssprache bezeichnet dieses Wort einen Zweifler; wenn sich aber jemand in der Diskussion um Esoterik als Skeptiker einstuft, haben wir es zumeist mit einem "Ablehner" zu tun, der eben keinen Zweifel mehr hat, dass die ganze Sache Unsinn ist. Skeptiker zu werden ist einfach: man muss nur die Mehrheitsmeinung übernehmen. Um Skeptiker zu bleiben, sind einige Maßnahmen erforderlich. So wird's gemacht:  1. Der Skeptiker befasst sich nicht mit "diesem ganzen Quatsch". Das schützt ihn vor einer manchmal überwältigenden Fülle von Fakten und Fallbeispielen, die seiner Überzeugung gefährlich werden könnten. Idealerweise kann sich der Skeptiker gar nicht vorstellen, dass es auf diesem Gebiet überhaupt so etwas wie Fakten geben könnte.  2. Wird der Skeptiker doch einmal mit etwas konfrontiert, das seinen Unglauben erschüttern könnte, stehen mehrere Abwehrmanöver zur Verfügung: a) Er zweifelt die Glaubwürdigkeit aller Berichterstatter an. b) Er entwickelt sofort eine Vermutung, wie das rätselhafte Geschehen zustande gekommen sein könnte und überprüft diese Hypothese dann nicht. Gummibegriffe mit wissenschaftlichem Klang sind bei der Formulierung solcher Erklärungen sehr hilfreich: Koinzidenz, Suggestion, Placebo-Effekt, Unterbewusstsein etc.  c) Der Skeptiker zitiert die Äußerung eines Professors, der so etwas auch nicht für möglich hält.  d) Er fordert wissenschaftliche Beweise und hält alles für widerlegt, solange diese Beweise nicht erbracht werden. Ob die Wissenschaft das Thema überhaupt schon untersucht hat, spielt dabei keine Rolle. Im übrigen hält der Skeptiker jeden Wissenschaftler für dubios, der sich mit solchen Sachen beschäftigt. Die Gefahr, dass einmal befriedigende Beweise vorliegen, ist also gering.  

In der Tat ist die bei selbsterklärten "Skeptikern" anzutreffende Form der Rhetorik, die stereotyp in Diskussionen um Parawissenschaften immer wieder entwickelt wird, dazu geeignet, die eigene Meinung und Weltanschauung grundsätzlich gegen alle denkbaren Einwände zu immunisieren. Insofern handelt es sich beim real existierenden "Skeptizismus" der "Skeptiker"-Bewegung um ein geschlossenes ideologisches System. Die wesentliche Funktion der "Skeptiker"-Bewegung ist es, dieses System und den damit verbundenen engen "Realitätstunnel" für die Mitglieder immer wieder neu sozial zu bekräftigen und damit zu stabilisieren.

In den folgenden Texten finden Sie umfassende Zusammenstellungen üblicher rhetorischer Standardargumente von "Skeptikern", und was sich dagegen einwenden lässt. Die Tendenz zu Immunisierungsstrategien ist offensichtlich.

Gereon Hoffmann (2002): Michael Shermers Skeptiker-Leitfaden als Mittel stets Recht zu behalten

D. Owens (1998): Stupid skeptics tricks

Daniel Drasin (1993): Zen and the Art of Debunkery

Winston Wu (2001): Debunking Common Skeptical Arguments

Anschauungsbeispiele für die Art und Weise der Selbstdarstellung von "Skeptiker"-Organisationen nach Außen hin finden Sie hier:

http://www.csicop.org

http://www.gwup.org

http://www.ecso.org

The pharisaical skepticism which denies without investigation,is quite as perilous, and much more contemptible, than the blind credulity which accepts all that is taught without enquiry; it is, indeed, but another form of ignorance assuming to be knowledge. And by investigator, I do not mean the hasty, captious, angry notice of an unwelcome fact, that too frequently claims to be pronouncing on a question; but the slow, modest, pains-taking examination, that is content to wait upon Nature, and humbly follow out her disclosures, however opposed to preconceived theories or mortifying to human pride. ... And one of the evils of this hasty and precipitate opposition is, that the passions and interests of the opposers become involved in the dispute: instead of investigation, they become partisans; having declared against it in the outset, it is important to their petty interests that the thing shall not be true; and they determine that it shall not, if they can help it.

Catherine Crowe ("The Night-Side of Nature", 1848)

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