Vom Regen in die Traufe

 

Erfahrungen eines Insiders 

mit der deutschen Skeptikerbewegung

Rudolf Henke

 

Wissenschaftler sollten das Unerklärte untersuchen,
aber nicht das Un-Untersuchte zu erklären versuchen.

Don Ecker (in: California UFO Nr.3/1988)

Was steckt hinter UFO-Meldungen? Gibt es sogenannte paranormale Phänomene wie Telepathie, Hellsehen oder Psychokinese? Waren die Götter Astronauten? Gehen Katastrophenberichte in alten Mythen auf reale Geschehnisse zurück? Für mich gab es auf diese und andere spannende Fragen nicht von vornherein fertige Antworten. Ohne Zweifel unterschied mich bereits diese bis heute anhaltende Neugier von zahlreichen erklärten "Skeptikern", als ich mich 1990 der damals einzigen deutschen Skeptiker-Organisation Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) anschloß.

Der Grund für meinen Eintritt in die GWUP lag in meinen im Laufe der Jahre zuvor gemachten Erfahrungen mit fanatischen, wissenschaftlich unredlichen und religiös verbrämten Haltungen innerhalb der sogenannten UFO-Szene. Als Jugendlicher hatte ich mit Begeisterung die Bücher des Schweizer "Sonntagsforschers" Erich von Däniken sowie Donald E. Keyhoes Buch "Der Weltraum rückt näher" (Originaltitel: "Flying Saucers from Outer Space") verschlungen. Irgendwann ließ ich es nicht bei der reinen Lektüre derartiger "Erbauungsliteratur" bewenden, sondern stellte eigene Nachforschungen an. Im Zuge einer Literaturrecherche stieß ich auf die Mannheimer Gruppe Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher (Himmels-)Phänomene (CENAP), deren Mitglieder sich schon länger mit dem UFO-Phänomen auseinandergesetzt hatten. Im Gegensatz zu mir waren die CENAP-Leute aufgrund zahlreicher Falluntersuchungen zu dem ernüchternden Schluß gelangt, daß man das, was in der populären Literatur stand, nicht für bare Münze nehmen dürfe, entpuppten sich doch die meisten vermeintlich spektakulären "UFOs" bei näherem Hinsehen als recht irdische Erscheinungen. Die vom CENAP geleistete Untersuchungsarbeit beeindruckte mich sehr. Doch es gab auch einige Punkte, die mir weniger zusagten: Die meisten Mitglieder des CENAP arbeiten kaum mit einem wissenschaftlich-systematischen Ansatz, sondern eher im Sinne eines kritisch-investigativen Journalismus. Aufgrund meines Interesses für Astronomie stellte ich bald fest, daß so einige vom CENAP als Modell-Heißluftballons gedeutete "UFOs" in Wahrheit auf astronomische Ursachen zurückgingen. Es störte mich auch, daß manche CENAP-Mitglieder im Umgang mit Andersdenkenden nicht immer sachlich blieben, sondern bisweilen einen missionarischen Eifer an den Tag legten, der mir nicht gefiel. Hinzu kam, daß einige meiner damaligen CENAP-Kollegen gelegentlich nur allzu rasch nach der erstbesten hingehaltenen "Erklärung" griffen, statt anhand systematischer Merkmalsanalysen eigenständig nach Erklärungen zu suchen.

Bei der Suche nach wissenschaftlich systematisch arbeitenden UFO-Organisationen stieß ich auf die im Münchner Raum beheimatete Untersuchungsgruppe Mutual UFO Network - Central European Section (MUFON-CES). Ich war zunächst sehr angetan, als ich erfuhr, daß in dieser Organisation sich überwiegend Wissenschaftler - darunter Diplom-Physiker, Ingenieure, Psychologen und Vertreter anderer Wissenschaftsdisziplinen - mit dem UFO-Phänomen auseinandersetzten. Doch nachdem mich der Leiter dieser Organisation zu einer MUFON-CES-Tagung eingeladen hatte, war meine Enttäuschung um so größer. Keiner der führenden Mitglieder war bereit, über kritische Einwände zu bestimmten Fällen überhaupt zu diskutieren; stattdessen schlug mir Unduldsamkeit entgegen. Eine derartige Haltung hatte ich in einer vorgeblich wissenschaftlichen Organisation nicht erwartet. Ich machte damals erstmals persönlich die Erfahrung, daß auch Wissenschaftler nicht vor Irrationalismus gefeit sind.

Aufgrund dieser negativen Erfahrungen, die ich sowohl mit Kritikern als auch Bejahern "exotischer" UFO-Theorien gemacht hatte, setzte ich große Hoffnungen auf die neugegründete GWUP. Hier war eine Organisation, die vorgab, mittels "wissenschaftlicher Methoden ohne Voreingenommenheit" (Satzung §2) zu forschen. Ich hoffte daher, dort am ehesten auf Personen zu stoßen, die sich einerseits wie ich eine gesunde Neugier in Bezug auf die Frage nach Existenz oder Nichtexistenz angeblicher "Paraphänomene" erhalten hatten, die andererseits aber die Fähigkeit zu kritischer Distanz mitbrachten, wie man sie im Idealfall von jedem seriösen Wissenschaftler erwartet. Meine vorausgegangenen Erfahrungen mit einigen Wissenschaftlern vom MUFON-CES hatten mich jedoch sensibilisiert, so daß ich daher auch der GWUP von Anfang an skeptisch gegenüberstand.
Zunächst interessierte mich, wie GWUP-Mitglieder zu ihrer Skepsis gelangt waren. Ich erinnere mich gut, wie meine kritische Frage beim GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma gar nicht gut ankam. Selbstkritisches Hinterfragen schien nicht in seinem Interesse zu liegen...

Mangelndes Fachwissen

Mir fiel schon bald auf, daß drei der damaligen fünf GWUP-Fachressorts - nämlich die Bereiche Astrologie, UFOs und Okkultismus - von wissenschaftlichen Laien geleitet wurden. Das mußte natürlich noch nichts Negatives bedeuten, leisten doch erfahrungsgemäß auch wissenschaftliche Laien häufig wertvolle wissenschaftliche Arbeit (z.B. in der Amateurastronomie). In der Tat besaßen alle Leiter dieser Fachbereiche auf den betreffenden Gebieten reichhaltige persönliche Erfahrungen, so daß es sich schon deshalb anbot, ihnen deren Leitung anzuvertrauen. Doch im Laufe der Zeit mußte nicht nur ich feststellen, daß es den Betreffenden nicht nur erheblich an wissenschaftlichem Grundlagenwissen mangelte, sondern daß alle drei ihre Tätigkeit mit einem missionarischen Eifer betrieben, der mich abstieß. So besaß der Okkultismusbeauftragte als Lehrer und Zauberkünstler zwar reichhaltige Erfahrung über die von Jugendlichen und Erwachsenen ausgeübten okkulten Praktiken, und es besteht für mich auch kein Zweifel darüber, daß er in Form von engagierter Öffentlichkeitsarbeit wertvolle Aufklärungsarbeit über die möglichen Gefahren dieser Praktiken leistete und noch leistet, doch erwies er sich als hochgradig uninformiert über die Forschungsergebnisse der modernen akademischen Parapsychologie. Die gleiche Beobachtung machte ich bei einem weiteren "Skeptiker" der Gesellschaft, der - obwohl Autor eines kritischen Buches zum Thema "Psi" - selbst mit den gebräuchlichsten Definitionen der Parapsychologie auf Kriegsfuß stand. Bezeichnend auch, daß vor allem der Okkultismus- als auch der Parapsychologie-"Experte" sich in Publikationen und bei Vorträgen in erster Linie auf Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sowie auf populäre Bücher statt auf die wissenschaftliche Literatur beriefen.
Der damalige Leiter des GWUP-Fachressorts Astrologie (der 1992 durch Edgar Wunder abgelöst wurde) entpuppte sich als kämpferischer Atheist und fanatischer Kirchenkritiker. Beides braucht natürlich keinen Einfluß auf die Qualität des astrologischen Fachwissens zu haben. Doch stellte sich auch in diesem Fall heraus, daß der Betreffende ausgerechnet über die meistdiskutierten astrologischen Untersuchungen nur oberflächlich informiert war, obwohl er sich seit langem öffentlich als Astrologiekritiker hervortat.
Bei der damaligen Präsidentin der Gesellschaft - der Marburger Rechtsmedizinerin Irmgard Oepen - verhielt es sich eher umgekehrt: Sie zeigte sich als sehr belesen auf dem von ihr vertretenen Gebiet "alternative Therapien", doch fehlte ihr nach meinem Eindruck die unmittelbare praktische Erfahrung im Umgang mit Betroffenen. Frappierenderweise lies sie sich als vormalige Chefredakteurin der GWUP-Zeitschrift Skeptiker bei der Auswahl von Artikeln weniger von deren wissenschaftlicher Qualität, sondern mehr von ihrer Sympathie zu den Autoren leiten, wie nicht nur der spätere Chefredakteur Edgar Wunder zu seiner Bestürzung feststellen mußte. Gleiches galt in Bezug auf ihre Auswahl von Referenten für GWUP-Tagungen.

Peinlich wurde es für mich, als ausgerechnet der Vorsitzende des GWUP-Wissenschaftsrates - ein Psychologie-Professor aus Gießen - in einer Fernsehsendung die Entstehung von komplexen Pictogrammen in Kornfeldern dem Treiben "liebestoller Rehe" zuschrieb. Dabei konnte selbst ein Laie mit nur einem Blick in ein Bilderbuch über die kunstvollen Kornmuster diese Hypothese leicht innerhalb von wenigen Sekunden widerlegen.

Entsprechende Fauxpas angesehener Wissenschaftler sind leider keine Seltenheit. So erklärte der bekannte Astronom und "Fernsehprofessor" Heinz Haber einmal ein "UFO" zu einer Meteorerscheinung, obwohl das Phänomen von den Zeugen etwa eine Viertelstunde lang beobachtet worden war. In Wirklichkeit handelte es sich bei dem "UFO" um einen Modell-Heißluftballon. Die Amateurforscher vom Mannheimer CENAP erwiesen sich in diesem Fall klüger als der Astronom.
Ich erinnere mich auch, wie ausgerechnet ein österreichischer Raumfahrtprofessor während einer Talkshow, an der ich ebenfalls teilgenommen hatte, mutmaßte, ob "UFOs" nicht Kugelblitze sein könnten. Dabei ist die Existenz von Kugelblitzen genauso umstritten wie die von "UFOs". Nach der Sendung fragte ich den UFO-Skeptiker, ob er ein einziges Buch zum Thema gelesen habe, was dieser verneinte...

In den letzten beiden Fällen handelte es sich nicht um organisierte "Skeptiker", so daß deren Fehldeutungen noch verzeihlich erscheinen. Doch von Mitgliedern einer Gesellschaft, die den Anspruch hegt, Parawissenschaften wissenschaftlich zu untersuchen - so der Vereinsname - sollte man entsprechende Fehlleistungen eigentlich zu allerletzt erwarten.
Eine Umfrage unter Lesern der GWUP-Zeitschrift Skeptiker bestätigte, daß die Mehrzahl der GWUP-Mitglieder gar keine parawissenschaftliche Literatur liest und damit genauso einseitig informiert ist, wie es erfahrungsgemäß viele Anhänger parawissenschaftlicher Thesen sind.

Skeptizismus als ideologische Grundhaltung

Immer wieder neu mußte ich erleben, ausgerechnet von GWUP-Mitgliedern gefragt zu werden, warum ich mir die Mühe machte, UFO-Meldungen nachzugehen, obwohl doch feststünde, "daß das alles eh nur Quatsch und meine Mühe daher nur Zeitverschwendung" sei. Im Laufe der Zeit stellte ich fest, daß diese Haltung innerhalb der GWUP wesentlich verbreiteter war, als ich anfänglich angenommen hatte. Zahlreiche Bitten an Kollegen, mich bei Falluntersuchungen zu unterstützen, blieben entweder unbeantwortet oder es wurde gar mit Spott und Häme darauf reagiert. Ein Psychologe aus der Gesellschaft erklärte, daß man da ja genau so gut den Bericht jedes Irren in einer psychiatrischen Anstalt ernstnehmen könne. Obwohl dieser Psychologe nie mit einer einzigen Person gesprochen hatte, die glaubte, von einem "UFO" entführt worden zu sein, war er sich doch absolut sicher, daß es sich bei allen Berichterstattern nur um "Borderliner" handeln könne.

Dr. jur. Herbert Schäfer - ebenfalls GWUP-Mitglied - gehört wohl zu den bekanntesten Parapsychologie-Kritikern Deutschlands. Bekannt wurde er vor allem durch seine Kritik am ehemaligen Leiter des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Hans Bender, und dessen "Spuk"-Untersuchungen. Nach einem Vortrag auf einer GWUP-Tagung über einen selbst recherchierten "Spuk"-Fall fuhr mich der Jurist an, wie ich denn einen "Spuk"-Fall nach möglichen "psychokinetischen" Effekten untersuchen könne - ich hatte Glasbrüche von einem Experten auf Besonderheiten prüfen lassen -, wo doch eh feststünde, daß hinter allen Fällen nur Schabernack stehe.
Derartige skeptische Vorurteile hatte ich in einer Gesellschaft, die sich vorgeblich an ausschließlich wissenschaftlichen Kriterien orientiert, nicht in dieser Heftigkeit und Häufigkeit erwartet. Ich erinnere mich noch gut, als mir gegenüber ausgerechnet der GWUP-Geschäftsführer Sarma einmal erklärte, daß im Grunde jedes GWUP-Mitglied zu jedem Thema in Talkshows als Skeptiker auftreten könne. In der Tat dürfte es in der Praxis in vielen Fällen keine Rolle spielen, wer die Position des "Skeptikers" in einem Small-Talk spielt, da Kritiker in diversen Sendungen in der Regel eh nur mit kurzen allgemeingehaltenen Statements zu Wort kommen. Doch was, wenn es tatsächlich einmal konkret wird (wie etwa im oben angesprochenen Beispiel der Kornmuster)?

Sarma nahm seine eigene Aussage so ernst, daß er sich vor TV-Kameras auf einen Dialog mit dem Freiburger Parapsychologen von Lucadou einließ, obwohl sich der GWUP-Geschäftsführer auch nach eigener Auskunft nie tiefer mit den aktuellen Untersuchungen der akademischen Parapsychologie beschäftigt hatte! Natürlich kam es aufgrund der mangelhaften Sachkenntnisse Sarmas zu keinem echten Dialog, sondern nur zu nichtssagenden Allgemeinplätzen, was sogar der Presse auffiel, die den höflichen Austausch von Worthülsen mit Häme quittierte.

Auch in anderen Fällen nahmen thematisch schlecht informierte GWUP-Mitglieder öffentlich wiederholt zu spezifischen parawissenschaftlichen Themen Stellung. Daher stellte sich für mich zunehmend die Frage, wozu die Gesellschaft Fachexperten ausweist, wenn doch Hinz und Kunz sich befähigt fühlt, öffentlich zu spezifischen Themen Stellung zu beziehen und so gut wie niemand innerhalb der Gesellschaft sich daran stört. Skeptische Präsenz ja - thematische Informiertheit nein. Ist ein derartiges Vorgehen einer wissenschaftlichen Gesellschaft angemessen?
Was nicht sein kann, nicht sein darf - nach dieser fragwürdigen Prämisse handeln nicht wenige erklärte Skeptiker. Kritiker werden als "reine Empiriker" abqualifiziert. Statt sich zunächst über die Datenlage zu informieren, wird die Existenz behaupteter oder nachgewiesener Anomalien von vornherein bestritten, sofern sie nicht ins gegenwärtige physikalische Theoriengebäude passen. Gelegentlich wird dabei sogar auf Unterstellungen aufgebaut - so zum Beispiel wenn es darum geht, "UFOs" oder "Psi-Phänomene" wegzuerklären: So greifen UFO-Kritiker immer wieder gern ausschließlich die extraterrestrische Herkunftshypothese (ETH) auf, um zu belegen, daß es "UFOs" nicht geben könne, da aufgrund physikalischer Barrieren (Lichtgeschwindigkeit) interstellare Reisen kaum möglich sind. Bei dieser einseitigen Argumentation wird gar nicht erst zur Kenntnis genommen, daß die ETH nur eine von einer ganzen Reihe "exotischer" Erklärungen des UFO-Phänomens darstellt, das heißt daß mit der Widerlegung einer dieser Theorien noch nicht die UFO-Berichte aus der Welt geschafft sind.

Mangelnde Forschungsbereitschaft

Wer der Auffassung ist, daß "eh alles Quatsch" ist, was Vertreter von Parawissenschaften behaupten bzw. daß bestimmte Naturgesetze (besser: Theorien!) die Existenz diverser "Anomalien" ausschließen, wird natürlich auch kaum einen Forschungsbedarf sehen. In der Tat wurden innerhalb des zwölfjährigen Bestehens der GWUP so gut wie keine echten Forschungsprojekte durchgeführt, obwohl die Gesellschaft mittlerweile rund 600 Mitglieder umfaßt! Noch heute zehrt die GWUP im wesentlichen von einer einzigen Studie, die in ihren Gründerjahren durchgeführt wurde. Gemeint ist ein Rutengänger-Test in Kassel. Bei näherem Hinsehen fällt jedoch auf, daß es sich dabei eher um eine öffentliche Demonstration als um ein echtes Forschungsvorhaben handelte. Denn man war sich aufgrund vorangegangener ähnlicher Demonstrationen von vornherein über das Ergebnis sicher. Es wurden weder mögliche kleine Effekte berücksichtigt, noch traf man Anstalten, Versuchspersonen, die über- oder unterzufällige Ergebnisse erzielt hatten, erneut zu testen, um die "Robustheit" eines etwaigen kleinen Effektes zu prüfen.
Eine zweite Studie zum Thema Elektrosmog verschwand wegen Unstimmigkeiten mit den Finanziers der Telekom in der Versenkung. Alle weiteren kleineren Studien entsprangen der Eigeninitiative einzelner Mitglieder und wurden zum größten Teil auf eigene Kosten durchgeführt.
Bezeichnend ist, daß dieselben Mitglieder, die sich über die ihrer Meinung nach "überflüssigen" Untersuchungen von Kolleg(inn)en lustig machten, gleichzeitig deren Ergebnisse übernahmen, wenn es darum ging, stichhaltige Fakten in ihrem "Kampf gegen den Aberglauben" parat zu haben. Das ist etwas, was mich immer wieder aufs neue ärgert, zumal die Daten meist genauso ungeprüft übernommen werden, wie dies häufig Anhänger parawissenschaftlicher Themen mit "ihren" Thesen tun.

Mangelnde Dialogbereitschaft

Schon früh fiel mir auf, daß an den GWUP-Tagungen fast nur Mitglieder teilnahmen. Verblüfft mußte ich im Laufe der Zeit zur Kenntnis nehmen, daß diese Isolation von fast allen GWUP-Mitgliedern, mit denen ich sprach, gewollt war. Kein Wunder auch, erfolgten Vorankündigungen zu den GWUP-Tagungen bis heute doch nie in parawissenschaftlichen Publikationen. Was nutzt es, so fragte ich die GWUP-Funktionäre immer wieder, wenn auf den GWUP-Tagungen ein "Skeptiker" dem anderen auf die Schultern klopft, jedoch das eigentliche Zielpublikum außen vorgehalten wird. Doch ich stieß mit dieser Kritik innerhalb der GWUP bis heute nur auf Unverständnis.
Darüberhinaus waren nicht wenige "Experten" innerhalb der Gesellschaft noch nicht einmal bereit, Anfragen von Nichtmitgliedern entgegenzunehmen. Diese selbstgewählte weitgehende Isolation gegenüber der breiten Öffentlichkeit - was die fachliche Diskussion betrifft - steht im krassen Widerspruch zum Aufklärungsanspruch der Gesellschaft (Satzung §2 Abs. 3).
Schon gar nicht ist man an einem selbstgewählten Dialog mit Vertretern von Parawissenschaften interessiert, wie zum Beispiel die Zusammensetzung der Teilnehmer von Podiumsdiskussionen während der GWUP-Tagungen belegt. Aufschlußreich ist, mit welchen Argumenten sich führende GWUP-Mitglieder zum Beispiel gegen die Teilnahme von Parapsychologen aus Freiburg ausgesprochen hatten: So riet die ehemalige Präsidentin der Gesellschaft von einem öffentlichen Dialog ab, "weil man den Freiburgern nicht gewachsen" sei. Der GWUP-Geschäftsführer äußerte erst kürzlich ähnliche Befürchtungen: Der Parapsychologie-Referent könne aufgrund seiner Ausführungen derart glaubwürdig klingen, daß der Eindruck entstehen könne, es gäbe keine fundierten Argumente gegen die Parapsychologie. Mit anderen Worten: Beide GWUP-Funktionäre befürchteten einen Imageverlust für die Gesellschaft.

Fanatismus

Fanatiker innerhalb der GWUP sind aus Gründen eines möglichen Imageverlustes für die Gesellschaft von vielen Mitgliedern zwar nicht gern gesehen, werden jedoch durchweg geduldet. Erschreckend fand ich, daß ausgerechnet einige führende Funktionäre der GWUP selbst fanatische Züge an den Tag legten. Ich erinnere mich gut daran, wie sowohl die langjährige ehemalige Präsidentin der Gesellschaft, als auch etwa der Vorsitzende des GWUP-Wissenschaftsrates auf so manchen internen Sitzungen voller Zorn reagierten, wenn die Rede auf bestimmte Vertreter von Parawissenschaften kam.

Ein "Erdstrahlen-Experte" der GWUP erklärte kürzlich: "...bin ich in der GWUP, gerade um manchen wirklichen Dogmatikern kräftig in die Suppe zu spucken". Der Leiter des GWUP-Fachbereiches Okkultismus äußerte sich etwa zur gleichen Zeit in ähnlicher Weise: "...die Windmühlenflügel deutlich vor Augen sehen, gegen die wir dauernd anrennen (und das ist ja unsere selbstgesteckte Hauptaufgabe, auch wenn das den "Untersuchern" nicht paßt)." Ein aktives GWUP-Mitglied - ein Kinderarzt - verglich die Gefahren von "parawissenschaftlichem Unfug" gar mit dem "Irrationalismus der Nazis". Ein weiteres engagiertes GWUP Mitglied - ebenfalls ein Mediziner - äußerte sich noch drastischer: "...jetzt fackele ich lieber ein paar lügende Esoteriker (...) ab und (...) ramme einen Bioresonanzler-HP in den Boden...". Derartige groteske Feindbilder haben meines Erachtens in einer wissenschaftlichen Gesellschaft nichts zu suchen, obwohl die letztgenannte Äußerung sicherlich nicht wörtlich gemeint gewesen war.
Ich möchte damit keineswegs suggerieren, daß derartiger Fanatismus innerhalb der GWUP die Regel ist. Nachdenklich muß aber machen, daß er weitgehend toleriert wird. Ich verstehe es sehr gut, wenn vor allem Mediziner, die immer wieder mit den zum Teil katastrophalen Folgen von "Kurpfuschertum" konfrontiert werden, irgendwann eine radikale Position gegen alles, was nach "Para" und "Psi" klingt, einnehmen. Es ist jedoch zu fragen, ob eine entsprechende Haltung nicht letztlich das Gegenteil vom angestrebten Ziel erreicht, Patienten vor gefährlichen "alternativen" Therapien zu schützen.

Ich fungierte während eines Zeitraumes von rund drei Jahren (mit einer längeren Unterbrechung) innerhalb der GWUP als telefonische Anlaufstelle für Anfrager. Fast alle Anrufer, die die GWUP-Arbeit bewunderten bzw. an einer Mitgliedschaft Interesse zeigten, machten auf mich alles andere als einen sachlichen Eindruck. Im Gegenteil ergingen sich die allermeisten in Schimpftiraden gegen "okkulte", "esoterische", "alternativ-therapeutische" Strömungen oder gegen bestimmte Vertreter von Parawissenschaften. Mich beschleicht ein höchst ungutes Gefühl, wenn ich mir vorstelle, daß auch nur ein geringer Prozentsatz dieser Personen Mitglieder der GWUP wurden.

Plädiert wird überwiegend nicht für Untersuchungen oder Forschungen, sondern fast ausschließlich gegen "Okkultismus, Aberglaube und Quacksalberei" (Satzung §2 Abs.1). In zahlreichen Gesprächen mit GWUP-Mitgliedern machte ich die Beobachtung, daß sich die Mehrheit als "Kämpfer" gegen alles vermeintlich Irrationale versteht und daher eher reagiert als agiert.

Taktierertum

Die meisten GWUP-Mitglieder bestreiten die Existenz von paranormalen Fähigkeiten. Konsequent weitergedacht müßten folglich auch die biblischen Wunderberichte mit größter Skepsis bedacht werden. Das aber würde Religionskritik bedeuten, die man jedoch mit Rücksicht auf die etablierten Kirchen, aber auch mit Rücksicht auf einige konfessionell gebundene Mitglieder, wenigstens nach außen hin tunlichst vermeidet, ja unterdrückt.
Zumeist geben sich auch die fanatischen GWUP-Aktiven in der Öffentlichkeit betont sachlich. Manchmal grenzt dieses Bemühen jedoch schon an Anbiederung. So erklärte GWUP-Geschäftsführer Sarma in einem TV-Gespräch mit dem Freiburger Parapsychologen von Lucadou, es gäbe keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Arbeitsweise der GWUP und den Parapsychologen. Nur wer seine "Privatmeinung" zum Thema Parapsychologie kennt, weiß, daß er in Wahrheit ganz anders denkt.
Zum Jahreswechsel 1998/99 erklärte der GWUP-Vorstand in Presse- und Rundfunkmitteilungen, eine Studie zu astrologischen Prognosen erarbeitet zu haben und betonte dabei, daß keine einzige Prognose zum Jahresende eingetroffen sei. In Wahrheit existierte eine derartige Studie überhaupt nicht! Ich warf dem GWUP-Vorstand daraufhin wissenschaftlich unredliches Verhalten vor, mußte jedoch zu meinem Entsetzen feststellen, daß die Mehrheit der GWUP-Mitglieder, die sich zu meiner Kirtik äußerten, voll hinter dem Vorgehen des Vorstandes standen.

Zensur

Selbstkritik wird als "Nestbeschmutzung" unter den Teppich gekehrt Ich mußte erleben, daß von mir geschriebene kritische Rezensionen zu Büchern von GWUP-Autoren zwar von der damaligen Redaktionsleiterin Oepen inhaltlich gelobt, aber deren Abdruck in der GWUP-Vereinszeitschrift mit dem Argument der "Nestbeschmutzung" verweigert wurde.
Obwohl ich mich mit Gesellschaft für Anomalistik einer "GWUP-verwandten Initiative" - so ein GWUP-Vorstandsmitglied- anschloß, enthob mich der GWUP-Vorstand aller meiner "Ämter" innerhalb der Gesellschaft, weil er wegen meiner Mitgliedschaft in dem neuen Verein "Loyalitätskonflikte" befürchtete. Nachdem ich meine offene Haltung zur Parapsychologie bekundet hatte, setzte der GWUP-Vorstand ohne Rücksprache mit den Mitgliedern kurzerhand einen neuen Koordinator für den zuvor von mir geleiteten Fachbereich Parapsychologie ein, obwohl mir alle Teilnehmer bei den Fachbereichstreffen das Vertrauen ausgesprochen hatten.
Skeptiker-Chefredakteur Edgar Wunder wurde von der Mehrheit des Vorstandes aufs heftigste gerügt, weil er sich "erdreistet" hatte, ein Interview mit dem Freiburger Parapsychologen Walter von Lucadou in der GWUP-Zeitschrift zu veröffentlichen. Kurz danach wurde auch er aller seiner GWUP-"Ämter" enthoben.
Schon seit längerer Zeit begann sich der Kernvorstand der GWUP von den übrigen Aktiven abzukapseln, da er - so ein Vorstandsmitglied - einen "Kontrollverlust" fürchtete. War ich selbst ursprünglich wegen meiner Bemühungen, die Fachbereiche und damit die Forschungsanstrengungen innerhalb der Gesellschaft zu stärken, vom Vorstand als "Fachbereichskoordinator" vorgeschlagen worden, wurde dieser "Posten" kurzerhand mit einem Vorstandsneuling besetzt.
All diese und andere Vorgehensweisen des Vorstandes, der von Geschäftsführer Sarma dominiert wird, zielen auf die Erzwingung "skeptischer Linientreue" ab - eine höchst bedenkliche Tendenz.

Fragen

Man mag nach all diesen Schilderungen fragen, warum ich nicht schon längst aus der GWUP austrat. Darauf gibt es mehrere Antworten: Ich hoffte lange, daß ich innerhalb der Gesellschaft zumindest in dem von mir darin vertretenen Fachbereich "UFOs" Gleichgesinnte finden würde, die wie ich auf diesem Gebiet einen Untersuchungsbedarf sehen. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Daß ich nicht schon früh aus der GWUP austrat, liegt natürlich auch an einer Reihe von aufgeschlossenen Mitgliedern, die sich wie ich ihre Neugierde erhalten haben. Eine fragwürdige Mainstreamhaltung, von der man immer nur indirekt tangiert wird, ist die eine Sache, aufgeschlossene Kollegen, mit denen man eng zusammenarbeitet, eine andere. Da ist man leicht bereit, Unangenehmes beiseite zu drängen. Und dann war da ja trotz aller negativen Erfahrungen bis vor kurzem immer noch die Hoffnung, von innen heraus bedenklichen Mainstreamhaltungen erfolgreich entgegensteuern zu können.

Die Zukunft der deutschen Skeptikerbewegung

Ich sehe im Moment keine Anzeichen dafür, daß die GWUP ihre in ihrer Satzung sowie in Selbstdarstellungsbroschüren erklärten Absichten auch umsetzen wird. Im Gegenteil gefährdet der Vereinsvorstand, der überwiegend aus Skeptiker-"Hardlinern" zusammengesetzt ist, aufgrund seiner jüngsten dirigistischen Politik das freie Denken innerhalb der Gesellschaft. Seine Abkapselung gegenüber den übrigen Mitgliedern behindert eine freien und offenen Informationsaustausch. Die neu erfolgte "Koordinierung der Fachbereiche" erschöpfte sich in Ämterenthebungen, was de facto einer Eliminierung von drei der sieben Fachbereiche gleichkam. Gemeint sind die Fachbereiche Astrologie, UFOs und Parapsychologie. Da sich fast alle Teilnehmer am Fachbereich Parapsychologie dem neugegründeten Gesellschaft für Anomalistik angeschlossen haben, existiert dieser Fachbereich im Moment nur auf dem Papier, auch wenn der Vorstand inzwischen einen eigenen Parapsychologie-Fachbereich eingesetzt hat. Die Fachbereiche Astrologie und UFOs sind zur Zeit unbesetzt bzw. werden kommisarisch von GWUP-Pressesprecher Bernd Harder verwaltet, der sich mit beiden Themenbereichen wenig auskennt. Anfragen zur UFO-Thematik werden nach Auskunft eines Vorstandsmitgliedes an Stellen außerhalb der Gesellschaft (CENAP bzw. GEP e.V.) weitergeleitet. Da Sarma aufgrund beruflicher Belastung eh nur noch wenige Stunden an Wochenenden und Feiertagen für Vereinstätigkeiten zur Verfügung hat, ist der Verein zur Zeit praktisch führerlos.

Allein die Tatsache, daß der Vorstand bislang kaum Anstrengungen unternommen hat, kompetenten Ersatz für die von ihm eliminierten Fachbereiche zu finden, zeigt mehr als deutlich, wie wenig ihm an inhaltsbezogener Arbeit liegt.

Auch als Chefredakteur des Vereinsblattes Skeptiker wurde inzwischen wieder ein Skeptiker-"Hardliner" eingesetzt. Da jedoch mehrere Redakteure alles andere als solche "Hardliner" darstellen, sind hier (neue) Konflikte zwischen Vorstand/ Chefredakteur und der übrigen Redaktion vorprogrammiert. Bereits jetzt ist neben Edgar Wunder ein weiterer Redakteur aus der Skeptiker-Redaktion (freiwillig) ausgeschieden, um sich dem Gesellschaft für Anomalistik anzuschließen.
Die innerhalb der vergangenen vier Monate erfolgten Diskussionen innerhalb der GWUP-Mitglieder-Mailingliste machten deutlich, daß die Mehrzahl der daran beteiligten Mitglieder hinter der restriktiven und dogmatischen Politik des Vorstandes steht.

Auch die von mir vorgeschlagene Podiumsdiskussion zwischen GWUP-Mitgliedern und Vertretern von Parawissenschaften auf der kommenden GWUP-Tagung wurde inzwischen "gekippt". Mittlerweile wurde vom GWUP-Vorstand einzelnen Mitgliedern der Zugang zur vereinseigenen Bibliothek verwehrt.
Ähnliche Entwicklungen sind bei der Organisationstruktur religiöser Sekten zu beobachten: Auch hier gibt es eine zentralistische Führungsebene, die sich von den "gewöhnlichen" Mitgliedern abgrenzt. Nicht "loyale" Mitglieder müssen hier ebenfalls mit Sanktionen rechnen. Das Hauptanliegen religiöser Sekten ist gleichfalls die Verbreitung einer Ideologie und der Kampf gegen Andersdenkende. Auch Sekten schotten sich weitgehend nach außen ab und sind nicht an einem echten Dialog mit Andersdenkenden interessiert. Auch Sektenangehörige legen häufig eine fanatische Haltung an den Tag und sind nicht bereit, die von ihnen vertretene Ideologie infrage zu stellen. Und was die Verweigerung von Informationen betrifft, so habe ich entsprechende Haltungen bisher auch nur von fanatischen Vertretern von Parawissenschaften erlebt.

Es besteht für mich kein Zweifel daran, daß die GWUP im gegenwärtigen Stadium eher in Richtung einer Sekte als hin zu einer wissenschaftlichen Forschungsgesellschaft tendiert. Anspruch und Wirklichkeit klaffen wie die Schneiden einer geöffneten Schere weit auseinander. Aber vielleicht fühlt sich die Skeptikerorganisation ja durch die "Konkurrenz" vom Gesellschaft für Anomalistik "genötigt", ihre Ansprüche in Zukunft in die Praxis umzusetzen - ich würde es dieser Gesellschaft, in die ich lange Zeit große Hoffnungen setzte, nur wünschen.