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"Skeptiker"-Organisationen: Erfahrungen von Insidern

Oft kann man Organisationen nur dann angemessen beurteilen, wenn man weiß, was "hinter den Kulissen" geschieht. Denn die Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung nach Außen und dem, was im geschlossenen Kreis tatsächlich verhandelt wird - auch und gerade im engsten Kreis der führenden Funktionäre -, ist oftmals erheblich. So auch bei "Skeptiker"-Organisationen.

Einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der "Skeptiker"-Bewegung liefern daher Berichte von Insidern, d.h. von ehemaligen Funktionären, die nach Ihrem Ausscheiden aus den "Skeptiker"-Organisationen die dort herrschenden Zustände in persönlichen Erfahrungsberichten dargestellt und auch nach Außen hin transparent gemacht haben. Einige davon stellen wir hier vor. Es ist erstaunlich, wie sehr sich diese Schilderungen in den grundsätzlichen Problemanzeigen gleichen, obwohl es sich um ganz unterschiedliche Persönlichkeiten handelt.

Marcello Truzzi (1979): Der Kreuzzug gegen das Paranormale

Marcello Truzzi war Professor für Soziologie an der Eastern Michigan University und Gründungsmitglied der amerikanischen "Skeptiker"-Organisation CSICOP, er fungierte als stellvertretender CSICOP-Vorsitzender und als Redaktionsleiter der von CSICOP herausgegebenen Zeitschrift. Im hier zur Verfügung gestellten Interview mit Truzzi, das in englischer Sprache erstmals in der Zeitschrift "Fate" erschien, können Sie u.a. etwas über die Entstehungsgeschichte von CSICOP erfahren, über grundlegende Richtungsentscheidungen in der unmittelbaren Zeit nach der Gründung und die heutige Orientierung der Organisation, sowie über die Organisationsstruktur von CSICOP und ihre erheblichen Demokratiedefizite. Da CSICOP die international führende "Skeptiker"-Organisation ist und letztlich die gesamte "Skeptiker"-Bewegung zentral von ihr koordiniert wird ("Skeptiker"-Organisationen in anderen Ländern haben quasi den Status von Tochtergesellschaften), ist dies auch für den Charakter der Bewegung insgesamt aufschlussreich.

Rudolf Henke (1999): Erfahrungen eines Insiders mit der deutschen Skeptikerbewegung

Rudolf Henke war in den 90er Jahren der Leiter des Fachbereichs "UFOs" der deutschen "Skeptiker"-Organisation GWUP. Er fungierte über einige Jahre auch als telefonischer Ansprechpartner bei allgemeinen Anfragen an die GWUP und leitete 1997/98 auch den GWUP-Fachbereich "Parapsychologie", der später aufgelöst wurde. Lesen Sie hier seine Insider-Erfahrungen mit der GWUP.

Dennis Rawlins (1981): sTARBABY

Dennis Rawlins war Astronom und Gründungsmitglied der international führenden "Skeptiker"-Organisation CSICOP und in den ersten Jahren ihres Bestehens auch eines von insgesamt acht CSICOP-Vorstandsmitgliedern.  Ende der 70er Jahre war er innerhalb von CSICOP verantwortlich für die astronomischen Berechnungen zur "Mars-Effekt"-Studie der amerikanischen "Skeptiker" und konnte in dieser Position hautnah erleben, wie innerhalb von CSICOP Selbstbestätigungstendenzen derart überhand nahmen, dass nicht "ins Weltbild passende" Resultate einfach nicht zur Kenntnis genommen wurden. Weil die "Skeptiker" die Publikation von Rawlins kritischen Anmerkungen in deren Zeitschrift "Skeptical Inquirer" verweigerten, trat er damit an eine breitere Öffentlichkeit, was einen Skandal auslöste, der oft als "Watergate-Affäre" des organisierten Skeptizismus beschrieben wurde. Rawlins Aufsatz "sTARBABY" gilt als Klassiker zum Verständnis der internen Handlungsabläufe und mentalen Strukturen in "Skeptiker"-Organisationen.

"I had supposed the skeptics to be the dispassionate voices of objectivity and reason, cleanly and completely debunking every alleged paranormal claim to come along. ... After much communication with and observation of fellow skeptics, I concluded that skeptical groups can suffer from the same irrationality, dogmatism, and "group-think" as other groups. ... Evidence that resists refutation and threatens foundational beliefs of a group may cause the group to reject, suppress, or ignore that evidence. Only when outside forces (or the occasional turncoat within a group) create enough pressure does the group finally deal with the evidence fairly, revising its core beliefs to accomodate it. In the worst case, a group may not change until the more dogmatic members have died off (Planck's principle). This behaviour has been exemplified by skeptical organizations with respect to the "Mars effect" ... While a few individuals attempt to get to the bottom of matters and press for the groups to act in accordance with their espoused principles of rationality andobjectivity, they typically have been forced out of or resign from the groups in frustration."

Jim Lippard  (Gründer der "Phoenix Skeptics")

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