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"Skeptiker"-Organisationen: Fallbeispiele

In dieser Rubrik werden einige Fallbeispiele vorgestellt, wie sog. "Skeptiker"-Bewegungen agieren,  

R. Kammann (1981): The True Disbelievers. Mars Effect Drives Skeptics to Irrationality

Unter dem "Mars-Effekt" versteht man eine in verschiedenen empirischen Studien Michel Gauquelins aufgetretene Anomalie, wonach berühmte Spitzensportler überzufällig häufig dann geboren werden, wenn der Mars gerade aufgeht oder den Meridian überschritten hat. Nach ihrer Gründung 1976 versuchte die amerikanische "Skeptiker"-Organisation CSICOP über Jahre hinweg, diesen Effekt durch eigene Studien zu entkräften. Dies ist für "Skeptiker"-Organisationen sehr untypisch, da normalerweise derartige Thesen nur lächerlich gemacht oder ignoriert, aber nicht im Detail untersucht werden. In diesem Fall jedoch führte CSICOP über Jahre hinweg eigene Untersuchungen durch, verstrickte sich dabei aber immer mehr in Fehler und Widersprüche. Richard Kammann, ein neuseeländischer Psychologie-Professor, war zu diesem Zeitpunkt selbst noch CSICOP-Mitglied. Er trat jedoch entsetzt aus, als er bemerkte, wie sehr die CSICOP-Führung nur an der Bestätigung ihrer eigenen Vorurteile interessiert war und nicht in dieses Bild passende eigene Resultate bewusst verschwieg oder verdrehte. Kammann kommt in dieser umfassenden Darstellung zur "Mars-Effekt"-Affäre zu folgendem Urteil über CSICOPs Tätigkeit: "When the whole record is examined over five years, there is almost no instance in which merit wins out over self-serving bias."

Kammanns Kritik an CSICOPs Vorgehen wurde zunächst bei der CSICOP-Zeitschrift "Skeptical Inquirer" sowie der vom CSICOP-Vorsitzenden Paul Kurtz ebenfalls herausgegebenen Zeitschrift "The Humanist" eingereicht, in beiden Fällen wurde jedoch der Abdruck verweigert. So erschien der Aufsatz schließlich 1982 in der von Marcello Truzzi redigierten Zeitschrift "Zetetic Scholar" und wurde später für die Internet-Version noch mit kurzen einführenden Bemerkungen und einem Postscript von Jim Lippard versehen.

Wichtig zu betonen ist dabei, dass es hier letztlich nicht um die Existenz oder Nicht-Existenz des "Mars-Effekts" geht (in den letzten 20 Jahren hat sich hier manches relativiert), sondern nur um die Frage, ob man CSICOPs Umgang mit der Marseffekt-Behauptung als seriös und angemessen bezeichnen kann. 

Jim Lippard (1990): Some Failures of Organized Skepticism

In diesem Aufsatz schildert Jim Lippard, wie in der Zeitschrift "The Skeptic", dem Mitteilungsblatt der australischen Skeptiker-Organisation, eine Debatte zwischen einem Geologie-Professor und einem Kreationisten grob zu Ungunsten des Kreationisten entstellt wiedergegeben wurde, wie sich die "Skeptiker"-Organisation daraufhin wieder besseren Wissens weigerte, eine Richtigstellung zu veröffentlichen und stattdessen Jim Lippard Vorwürfe machte (der selbst Mitglied einer kleinen "Skeptiker"-Gruppe in Arizona ist und die Falschdarstellungen aufgedeckt hatte), denn "Skeptiker" sollten sich untereinander nicht öffentlich kritisieren. Erneut interessiert hier nicht die Kreationismus-Debatte an sich, sondern dass ganz offensichtlich für führende "Skeptiker" der Zweck die Mittel heiligt und Unsachlichkeiten und Entstellungen in Kauf genommen werden, solange es der Bekämpfung von Andersdenkenden dienlich ist.

George Hansen (1991): The Elusive Agenda

Als relativ kompetentester Kritiker der Parapsychology aus den Reihen der sog. "Skeptiker"-Organisationen gilt der amerikanische Psychologe Ray Hyman. Doch auch seine Ausführungen haben oft eher rhetorischen als wissenschaftlichen Charakter, wie George Hansen in dieser Buchrezension aufzeigt.

Edgar Wunder (2003): Die Folgen von "Freitag, dem 13." (PDF-Datei)

Am Beispiel von Fehlvorstellungen zu "Freitag, dem 13." wird in diesem Artikel gezeigt, wie sog. "Skeptiker" sehr unkritisch Behauptungen übernehmen, so lange sie nur ins eigene Weltbild passen.

Dennis Stacy (1996): CSICOP Scare!

Der Text stellt anhand eines typischen Beispiels dar, mit welchen Methoden sich die weltweit führende "Skeptiker"-Organisation CSICOP selbst vermarktet. Deutlich wird die Mentalität einer Kampfgemeinschaft, die sich auserkoren wähnt, die Zivilisation zu retten. Durch das gezielte Schüren von Emotionen und Ressentiments eines bestimmten Klientels werden apokalyptische Szenarien gezeichnet, die nur durch Geldspenden an CSICOP vermieden werden könnten.

I believe there is no source of deception in the investigation of nature which can compare with a fixed belief that certain kinds of phenomena are impossible.

William James

Wir brauchen Wissenschaftler, die notfalls auch Anomalien aushalten können, statt a priori als unmöglich abzutun, was die Grenzen ihres vertrauten Weltbilds sprengt.

Harald Wiesendanger

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